Überwachung

Die westliche Welt hat sich innerhalb der letzten 10 Jahre zu einem ein­zigen großen Überwachungsstaat entwickelt. Fingerabdrücke, Iris- Scans und Nacktscans sind bei der Ein- und Ausreise aus den USA, England und vielen anderen Staaten Standard geworden. Gechipte Rei­sepässe und Personalausweise, permanente Überwachung durch Mobil­telefone und Vorratsdatenspeicherung sind ganz selbstverständlich ge­worden. All das wird durch Steuergelder finanziert – ohne die Bürger zu fragen! Und, hat es dem Terrorismus Einhalt geboten? Ist die Welt dadurch sicherer und friedlicher geworden?

George Orwells 1984 spielt in London. Er hat mit seiner Geschichte seherische Fähigkeiten bewiesen. Knapp 4,5 Millionen Kameras sind in den Straßen, Bahnhöfen und Einkaufszentren Englands bislang mon­tiert. Auf 13 Bürger kommt eine öffentliche Überwachungskamera, Tendenz steigend. Seit Anfang der 1990er Jahre schraubt man die Gerä­te an jeden freien Laternenpfähl, die Polizei will damit angeblich mehr Verbrechen aufklären und Personalkosten senken. Aber gelingt ihr das auch? Die BBC News berichteten am 24. August 2009 unter dem Titel „1.000 Kameras klären ein Verbrechen auf“:

„London ist die am besten überwachte Stadt der Welt. Pro 1.000 Überwachungskameras konnte im vergangenen Jahr ein Verbrechen aufge­klärt werden… Der interne Polizeibericht zeigt, dass die mehr als eine Million Kameras in London kaum je dazu beitragen, Kriminelle zu fassen. In einem Monat haben die CCTV-Kameras (Closed Circuit Tele­vision-, A.d.V.) nur 8 von 269 mutmaßlichen Raubüberfällen aufge­zeichnet…“

Hat der Krieg gegen den Terror in den vergangenen Jahren also mehr Sicherheit gebracht? Nein, ganz im Gegenteil. Er hat mehr Angst gebracht. Wir alle haben gewaltig an Freiheit eingebüßt, und wir werden mittlerweile auf Schritt und Tritt überwacht, wie wir verunsichert über die Straßen huschen. Aber nicht nur auf Straßen und öffentlichen Plät­zen gibt es Überwachungskameras. Auch in Häusern, Supermärkten und Banken werden wir ständig gefilmt. Dabei ist es ein Leichtes für je­den mit einem einfachen Bild-Babyphon, die Funkbilder abzufangen. Damit kann uns jeder beim Eingeben unserer Geheimzahl filmen.

Orwells Szenario ist unsere Realität geworden, auch wenn manch ei­ner es noch gar nicht mitbekommen hat. Und das Erschreckendste an der Sache ist, dass vor allem die junge Generation es völlig normal fin­det und sogar darum bettelt. Das beste Überwachungsinstrument ist das Mobiltelefon. Die neuen Smart-Phones wie das Blackberry oder das iPhone speichern nicht nur alle Daten, wie Telefonnummern und Ad­ressen, sondern sie haben auch Zugang zum Internet und sind im Grunde kleine Computer. Man kann mit ihnen Fotos machen und spei­chern. Der moderne Mensch hat alle wichtigen Daten in seinem Tele­fon, dazu noch die aktuellsten Fotos von sich selbst, seinen Freunden und seiner Familie — alles auf einem kleinen Chip, den man immer bei sich trägt.

Wer will – und ich meine damit tatsächlich jeden, der will – kann mit einem kleinen Gerät, das man für weniger als 100 Euro im Fachhandel kaufen kann, aus der Ferne alle Daten ablesen. Größere Firmen machen das tagtäglich. Bald soll es sogar noch einfacher werden, wie ein an­onymer Experte für Abhörschutz der Welt online bereits am 30.6.2008 berichtete:

„…Es wird nicht mehr lange dauern, bis es im Internet diese kleine Software gibt. Sie wird alles über den Haufen werfen. Eine Spionagere­volution. So was ist mir in 25 Jahren Lauschabwehr bei Bundespost und Telekom nicht untergekommen, und mit diesem Alarm bin ich nicht allein – die ganze Branche sieht das so. Es gibt einige wenige, die diese kleine Software schon besitzen. Aber sobald sie ins Internet ge­langt – und das geschieht bald -, wird jedermann jedes beliebige Handy abhören können, alle Fabrikate. “

Mittels eines Smart-Phones kann man sich jederzeit durch die Stra­ßen jeder beliebigen Stadt navigieren lassen. Man sieht, in welcher Stra­ße der Verkehr fließt und wo er stockt. Das ist ganz einfach, denn die Überwachungsfirma verfolgt dabei die Bewegungen aller Handys welt­weit. Stehen plötzlich die meisten Handys in einer Straße, dann wird ein Stau angezeigt, bewegen sie sich, fließt der Verkehr also. Das Ganze funktioniert natürlich auch für jedes Telefon einzeln.

Für etwa 300 Euro kann man kleine, ferngesteuerte Hubschrauber kaufen, die bereits mit Kameras ausgestattet sind. Sie senden das Auf­klärungsbild an das Smart-Phone und lassen sich darüber auch steuern.

„Aber, ich habe doch nichts zu verbergen“, werden Sie jetzt vielleicht sagen? Sind Sie da sicher? Was ist mit Ihren Kontodaten, mit Ihren Fir­menideen? Vielleicht fallen Ihnen bei genauerer Überlegung ja doch noch einige Dinge ein, die nicht jeder x-beliebige von Ihnen wissen soll­te? Es wird immer schwieriger, Freiräume und Nischen zu finden, in denen man wirklich allein sein kann. Fragen Sie einmal einen Chinesen, der mit seiner Regierung nicht einverstanden ist, ob er das Gefühl hat, dass die staatliche Überwachung seiner Sicherheit dient! Oder noch einfacher: Fragen Sie jemanden aus Ostdeutschland, der nicht bei der Stasi war, wie es sich angefühlt hat, nie die Wahrheit sagen zu dürfen und keinem Menschen wirklich vertrauen zu können!

2010 wurden in fast allen westlichen Flughäfen „Nacktscanner“ ein­geführt – angeblich, um die Sicherheit zu erhöhen. Es ist allerdings bewiesen, dass diese Scanner gesundheitsschädlich sind. Darüber hinaus haben sie noch ein anderes Problem: Sie finden nur Dinge, die Passagie­re am Körper, also auf der Haut tragen. Wer etwas verschluckt oder in Mund oder Anus versteckt, kommt damit ohne Probleme durch.

Interessant ist auch, dass bis Ende des Jahres 2009 alle deutschen Parteien im Bundestag sowie alle deutschen Institutionen einhellig ge­gen die Einführung solcher Scanner waren. So berichtet Focus online in einem „Krebs Special“ noch am 30.12.2009:

„Denn die Strahlung kann durch ihre ionisierende Wirkung Zellschä­den verursachen, die Krebs auslösen können. Bei einer einzelnen Durchleuchtung seien Menschen zwar nur einer sehr geringen Menge von Röntgenstrahlen ausgesetzt, das Risiko steige aber mit jeder Kon­trolle, sagt Rolf Michel, Leiter des Zentrums für Strahlenschutz und Radioökologie der Leibniz Universität Hannover und Vorsitzender der Strahlenschutzkommission. “

Insbesondere Vielflieger, Flughafenangestellte und Schwangere wer­den durch die Röntgenstrahlen einem hohen Risiko ausgesetzt, führt der Artikel weiter aus. Das Bundesamt für Strahlenschutz kommt zum selben Ergebnis. Es hält „die Verwendung von Röntgenstrahlung aus Gründen des Strahlenschutzes für nicht gerechtfertigt. Ihr Einsatz wird ab­gelehnt“, vermeldet das Amt auf seiner Homepage.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) indes sieht die Debatte als Ab­lenkungsmanöver. „Die Diskussion um Nacktscanner ist eine politische Luftnummer, um von den Versäumnissen der vergangenen Jahre abzulen­ken“, sagte der GdP-Vorsitzende für die Bundespolizei, Josef Scheu­ring, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die „lückenhaften Grundstruk­turen der Luftsicherheit in Deutschland“ seien seit dem 11. September 2001 nicht besser geworden — das Gegenteil sei der Fall. Die Bundesre­gierung dürfe den Fluggästen nicht länger etwas vormachen, forderte Scheuring. Auch mit Scannern der neuesten Generation lasse sich die Gefahr von Anschlägen nicht entscheidend reduzieren. Es sei höchste Zeit für eine ehrliche Debatte. „Wenn Hartz-IV-Empfänger, Leiharbeiter und Billiglöhner im Auftrag privater Sicherheitsfirmen für die Sicherheit an Flughäfen sorgen sollen, kann das nur schiefgehen. “(80)

Als der Deutsche Bundestag Anfang Januar 2010, also nur vier Tage später, wieder zusammentrat, hatten plötzlich ALLE Parlamentsfrak­tionen ihre Meinung geändert! Einstimmig wurde der Beschluss zur Anschaffung von Nacktscannern für deutsche Flughäfen gefasst. Ich frage mich, was innerhalb weniger Tage einen solchen Sinneswandel herbeiführen konnte? Wenige Monate später wurden Nacktscanner auf beinahe allen Flughäfen in der westlichen Welt eingeführt.

Auszug aus dem Buch “Was Sie nicht wissen sollen” Michael Morris